Freitag, 1. April 2011

Sequenzen von Skepsis (62)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

762
Sprache dient der Verständigung bis hin zur Kriegserklärung!

763
Sonntagsreden erledigen keine Werktagsarbeit.

764
Wer mehr Geld ausgibt als er verdient, ist ein Lump.
Man gewinnt den Eindruck, es gäbe mehr Lumpen als Geld.

765
Der Astronom blickt durch das Teleskop oder auf den Monitor, erkennt immer umfassendere Zusammenhänge und weiß dennoch um seine Begrenztheit und die Gefahren des Irrtums. Deshalb bleibt er der zuverlässigsten Methode der Erkenntnisgewinnung treu, dem Kausalitätsprinzip, einem Merkmal der kosmonomen Philosophie.

766
Sich gegenseitig zu Militärparaden einzuladen, ehrt Kriegstreiber.

767
Steinern ist die Wucht der Gotteshäuser,
beklemmend das Zwielicht,
das mit erlesener, auch monumentaler Kunst
die Gläubigen verklemmt.
Gnade ist nicht in Sicht.

768
In GO(L)D they trust
dreaming of liberty
which is less reality
in the land of the free.

769
“Wahrer Glaube” ist eine Unmöglichkeit,
weil Wahrheit nicht zu glauben,
wohl aber zu wissen ist.

770
Hättet ihr doch nur Ahnung,
wie euch der Glaube an Gott und Geld entmenschlicht!
Ihr würdet euch ändern.

771
Wer andere stets erinnert, sie sollten sich ihrer Vergangenheit erinnern, hat die Absicht, von seinem gegenwärtigen Tun abzulenken.

772
Jeder Mensch hat eine Würde, auch wenn er sie mit Füßen tritt.

773
Die Reichen mauern sich gerne ein; sie erhärten, versteinern.

774
Irren ist menschlich, überaus menschenwürdig ist die Korrektur des Irrtums.

775
Jeder Abschied birgt eine Erinnerung an das Endgültige.

776
„Staub bist du“, sagt ein angeblicher Gott in vollkommener Wertschätzung des Menschen!

777
Die abendliche Flaute beflügelt Kreationen.

778
Tratschende ahnen nicht, was sie von sich preisgeben.

779
Schwalben gleich jagen Gedanken,
verharren wie Libellen im Flug, wenden sich rückwärts auch,
sie stoßen in Tiefen wie Kormorane
oder treiben an der Oberfläche wie Schwäne.
Manche gebärden sich flatterhaft,
andere schwimmen mit der Strömung.
Gefahr zieht auf, gehen Gedanken zu Fuß:
Sie versteigen sich, sie hinken, aber sie marschieren,
bald im Gleichschritt, dann als Krüppel,
schließlich im Gedenken.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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