Freitag, 27. August 2010

Sequenzen von Skepsis (43)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

496
In der Vereinsamung vereinen sich gar nicht selten Schwäche und Stärke.

497
Verunsicherung ist das Geschäft der Versicherungen.

498
Ahnungslosigkeit betet die Zuversicht an.

499
Esoterik ist der Schrott der Religion.

500
Einbildung erfordert keine Ausbildung.

501
Opportunisten kriechen in Löcher.

502
Welche Gruppe reflektiert schon über Gruppenzwang? Es sei denn die Selbsterfahrenen, die sich tief in Psychologie verfahren.

503
Angst ist ein Motor der Evolution. Und für den Menschen gilt: Wer sie am effizientesten reduziert, steigert die Würde, die Menschlichkeit, entmachtet strafende und belohnende Gottheiten zur Bedeutungslosigkeit.

504
Wir sind nicht machtlos, wenn wir das Schweigen besiegen.

505
Das Schreiben ohne nennenswertes Echo ist schmerzhaft und dennoch ein Hauch von Freiheit.

506
Zwangsneurosen entstehen aus Zwängen, ohne deren Beseitigung kaum Heilung erfolgen kann. Oft allerdings sind die Zwänge imaginär, was die reale Krankheit verkompliziert.
Religion wird aufgrund ihres massenhaften Auftretens nicht als Leiden definiert. Heilung kommt somit selten und eher „spontan“ vor.

507
„Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ offenbart banales Unverständnis. „Ewigkeit“ meint Unendlichkeit von Zeit, „von .... zu“ markiert jedoch Anfang und Ende etwa einer Zeitreise oder einer Wegstrecke. Nur unendlicher Glaube nimmt derartiges Schwelgen hin.

508
In Prüderie und Spießigkeit. Amen.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Montag, 23. August 2010

Regierungssprecher

„Sprechen Sie mir nach“, sagt der Regierungssprecher und die Nachrichtensprecher werden Für- und Nachsprecher von Absprachen und Versprechen, die der Vernunft und Wahrheit widersprechen. In Sprechblasen besprechen sie Entsprechendes, versprechen sich manchmal, mindern die Ansprüche hinab bis zum Sprücheklopfen.

Den Regierungssprecher freut seine Sprachgewalt, denn er muss nicht schön reden, aber schönreden. Auch laut muss er nicht sprechen, Lautsprecher sind überreichlich zugeschaltet. Das Sprachrohr braucht er nicht an die Lippen zu setzen, denn er ist selbst der Sprachtrichter. Sprichwörtliche Ausreden kann man ihm nicht absprechen.

Die freie Rede ist frei erfunden, es erfolgt beredt Freispruch für Faselei, Unvermögen redet sich heraus, Mitsprache wird eingeredet.
Unaussprechliche Sprachlosigkeit spricht sich rum, und so kommt Demokratie ins Gerede. Sie wird spruchreif, weil man nicht ausspricht, dass eine Aussprache das und nicht die Ausreden erfordert.

Freiheit basiert auf Sprach- und Sprechkultur, selbstredend mit Anspruch an den Zuhörer. Der Einspruch ist ein Teil des Rederechts, der Zuspruch ein Ergebnis reiflicher Überlegung.

Regierungssprecher als Sprachorgan zu bezeichnen, spricht nicht für sie, sondern verweist direkt auf die Sprachbarriere zwischen parteilich einseitiger Propaganda und offen unabhängigem Weltverständnis. Sprache dient mit ehrlichem Anspruch dem Verstehen und nicht dem Verdrehen.

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Sonntag, 22. August 2010

Sequenzen von Skepsis (42)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

484
Massenmedien, Internet – so dicht mit Belanglosigkeit gefüllt, dass sich kein Echo brechen kann. Man unterschätze aber nicht das Langzeit-Potenzial von Müllhalden!

485
Industriemessen, Buchmessen, Heilige Messen. – Rituelle Massenvermessungen.
Selig die Vermessenen?

486
Die „Klimakatastrophe“ ist den Kirchen sogar eine himmlische Katastrophe.

487
Globalisierung erfolgt als logische Entwicklung der menschlichen Intelligenz, zunächst engstirnig, ohne Skrupel, unter jeher geübter „christlich-abendländischer“, inzwischen besonders auch US-amerikanischer Ausbeutermentalität. Die Herausforderung besteht aber in globaler Demokratie-Entwicklung, nicht in erkennbar globalem Kapitalismus-Diktat, denn der Kapitalismus baut sinnigerweise „potemkinsche Dörfer“, um die milliardenfach erzeugte Not, um seine Menschenverachtung zu kaschieren.

488
Ein „Gott“, „allwissend und allmächtig“, der eine Kreuzigung zulässt, ist Erfinder, ist Ursache des Kreuzes.

489
„Brot und Spiele“, eigentlich „Brot und Zirkus“, jener römische Minimalismus „unterhält“ bis heute die Horden und ihre Caesaren.

490
Mögen die ersten Menschen „Wilde“ gewesen sein, Anwender roher Gewalt, so hat sich seither wenig geändert. Sie bevölkern zahlreicher denn je die Erde, als sei ihr Prinzip ein Erfolgsrezept. Jede Epidemie aber schwillt an um hinzuraffen.

491
Trotz und wegen gewaltiger Bedrängnis entwickelte sich Menschlichkeit und gilt zu Recht als Beweis für den besseren Menschen in spe.

492
Geschmacklosigkeit pfeift auf Kultur, banalisiert sich selbst.

493
Überschätzung schätzt vor allem das Ich.

494
„Unbildung“, welch ein Unwort der Halbbildung, die sich gebildet gebärdet.

495
In der Natur überlebt kein Tier durch Gnade und Caritas. Aber auch gefräßiger Egoismus schützt nicht vor wilderen Jägern. Daher sollte Menschlichkeit ganz andere Qualitäten entwickeln.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Mittwoch, 18. August 2010

Sequenzen von Skepsis (41)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

472
Gottfreie Menschen erscheinen den Religiösen als bösartige Unmöglichkeit.
So eingeschränkt, wenn auch gutmeinend, sind offenbarte Möglichkeiten.

473
Erzwungene Dummheit erzeugt unterschwellige Angst, macht krank; sie entwürdigt radikal vor allem, wenn sie mit „Gott“ oder „Gottähnlichen“ einhergeht.

474
Mit jedem Wunderglauben stellt sich der Mensch neben sich, neben die Realität.

475
Die andere Seite des Lesens ist die Volksverdummung.

476
Überspannungsschäden schlagen vermehrt durch als Reaktion auf die zur angeblichen Entspannung generierte Spannung in Film, Funk, Fernsehen und auf Papier. Permanent rauchende Colts hinterlassen ebensolche Schädel.

477
Das Niveau des Fernsehens unterliegt der Massenattraktion, ist folglich blendend seicht.
Und so entscheiden sich Wahlkämpfe; Präsidenten gehen daraus hervor.

478
Am Ideal der Demokratie lässt sich nicht rütteln! Was sich aber bisweilen als „Demokratie“ beweihräuchert, erschüttert als Diktatur betrogener Massen.

479
Genossen sind keine Freunde, eher Zeitgleiche, ähnlich vergeblich Kämpfende, Leidende.

480
Kollegiale Grüße klingen weder freundlich noch hochachtungsvoll, herzlich schon gar nicht, aber fachidiotisch.

481
Abgedroschene Phrasen, feierlich dem Jahresrhythmus der Gedenktage folgend, symbolisieren moralisierende Politik – ein Teufelszeug.

482
Vergesslichkeit plagt den Menschen; der Ideologe vergisst sich selbst, der Gläubige kann nicht vergessen, was er nicht erlebte, oder ist traumatisiert.

483
Denkbar! – Was ist das, angesichts des Menschen seither?


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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Dienstag, 10. August 2010

Menschenwürde ist mehr als eine Unantastbarkeit

In der Vergänglichkeit des Lebens entsteht dem Naiven eine unerträgliche Sinnlosigkeit, die zwangsläufig und unabhängig von Kulturkreisen nach stets ähnlichen Mustern zu einer Sinnkreation führt, der Sinn wird hergestellt. Geister und Götter lassen sich ersinnen, propagieren und bezeugen: Religion bekommt ihre Basis.
Dass dieser an sich banale Vorgang sogar intelligenteste Köpfe vollständig okkupiert, liegt in der Macht von Eingedrilltem und von Traditionen, denn diese eigentlichen Eingeschränktheiten suggerieren etwas von der irrational ersehnten, nicht minder kuriosen „Ewigkeit“, einer ebenso sinnlosen Unendlichkeit.

Der in einfachen und auch einfältigen Strukturen Denkende gibt sich in der Regel mit dem ihm vorgesetzten Weltbild zufrieden, merkt aber sehr deutlich die sprichwörtliche Last des Lebens im „Diesseits“ und zweifelt immer wieder an den Vertröstungen auf das „Jenseits“. In dieser Verunsicherung wird der Gläubige während der gesamten Menschheitsgeschichte bisher zum leichten Spielball für Machtbesessene.
Die Herrscher sind nicht selten zugleich die religiösen Repräsentanten oder aber Gefolgstreue im Glauben, die im Sinne „von Gottes Gnaden“ ihre Stellung rechtfertigen. Andere Regenten biedern sich gegen ihre eigentliche Überzeugung religiös an, nutzen die bewährten Entmündigungsmechanismen der Glaubenstraditionen.

Mögen nun einzelne Figuren durch Religion immer wieder ihren spirituellen Frieden finden, so können Religionen wegen ihrer offenen oder versteckten Alleinvertretungsansprüche bezüglich der „einzigen Wahrheit“ untereinander keinen Frieden begründen, geschweige denn bewahren. Man betrachte beispielsweise die unzähligen unversöhnlichen Aufspaltungen innerhalb des Christentums oder im Islam.
Im Erkennen solcher Zusammenhänge und im Durchschauen der entsprechenden Machenschaften wird es dem kritikfähigen Individuum leicht, sich innerlich von „Gott“ und seinem Brimborium zu befreien; die äußerliche Abkehr fällt aus Gründen von Überlieferungen und persönlichen Abhängigkeiten häufig sehr schwer. Denn der offizielle Bruch mit der Religion wird von Glaubensverfechtern gerne als „Nihilismus“ diffamiert, als eine Verneinung des Seins und seines Sinns schlechthin. „Gottlos“ wird zum Status des Makels, des Außenseiters.
Aus dem Glauben heraus können Religiöse die Gedanken der Aufgeklärtheit nicht nachvollziehen, ja sie dürfen sie innerhalb ihrer Systemtreue nicht einmal ernsthaft erwägen.

Welches Sein aber bieten Religionen?
Reduziert sich das Sein nicht auf sinnlosen Schein, indem man Körper und Seele trennt, das physische Leben mit Miss- und Verachtung belegt und Märchen über angeblich ewiges Leben einer „Seele“ verkündet, um von konkreten Lebensbedürfnissen und Erfordernissen abzulenken, Opfer verlangen zu können und alberne jenseitige Glückseligkeiten anzupreisen?

Alles spricht dafür, dass die religiös ausgemalte Seele ein ebensolches Gedankenkonstrukt darstellt wie „Gott“. Wie anders lässt sich erklären, dass das Seelenleben des Menschen, das heißt, seine gesamte gefühlsmäßige und bewusste Innenwelt durch Beeinflussungen des Körpers gesteuert wird?
Gewalteinwirkungen, Schockzustände, Drogen, Psychopharmaka, Narkotika und so weiter – auch „Gehirnwäschen“ – verändern kurz- oder langfristig die Persönlichkeit, schalten sie auch aus.
Eindeutig ist der menschliche Geist eine Funktion des Körpers und als solche vom Zustand des Körpers, vor allem des Gehirns abhängig. Beendet der Körper seine chemisch-physikalischen Reaktionen, stirbt er, gibt es auch seine „Seele“ nicht mehr.
In Analogie zur Mathematisierbarkeit der Natur lässt sich herleiten: Die Seele ist das Produkt aus Körper mal Geist. Wird einer der Faktoren Null, gibt es kein Produkt mehr.
Nur in geschaffenen Werken und in der Erinnerung der Lebenden kann vom Individuum entwickeltes Gedankengut „fortleben“ – für kosmisch unbedeutend kurze Epochen.

Die durchdachte Verneinung der Religion ist keine Miesmacherei, keine Hoffnungslosigkeit oder gar Resignation, sondern im Gegenteil die lebendige Aufmunterung, dem Leben an Ort und Stelle Sinn zu geben, die natürlichen Herausforderungen anzunehmen und zum Wohle des und der Menschen Einfluss zu nehmen, Widrigkeiten zu überwinden, zumindest zu lindern und andererseits die Freuden zu genießen und auszukosten.
Verantwortungsvoller Umgang mit Natur, Naturwissenschaft und mit dem Menschen gibt Lebenssinn und schafft die Werte wie Menschenwürde, Aufrichtigkeit, Achtung, Friedfertigkeit, Solidarität, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft und so weiter als geistig verstandene Orientierungen und nicht als religiöse doppel- und scheinmoralische Sonntagspredigten.
Die bisherigen Philosophien und Weltbilder versagen erst recht in der Moderne, sie fördern keine Lebensentwürfe und Initiativen, sondern berufen sich auf überholte Raster, die der Unterwerfung statt der Emanzipation und Mündigwerdung des Bürgers dienen. Darin begründet sich eine Bewahrungsmentalität, ein Konservativismus, der sich mit allen Mitteln gegen eine kosmonomische Aufbruchstimmung stemmt, der sich in überkommenem Gottvertrauen noch jede Schurkerei gegenüber Andersdenkenden herausnimmt und im weltweiten Kräftespiel genau das Chaos pflegt, vor dem die Religion angeblich den Menschen bewahren soll.

Die Menschenwürde sei unantastbar, heißt es in feierlichen Dekreten, die jedoch gegenüber der Wirklichkeit hauptsächlich ein Wunschdenken beurkunden.
Der Mensch schändet wie kein anderes Lebewesen auf dem Globus sich selbst, und er tut dies aus „Überzeugungen“ heraus, die mit Menschenwürde wenig, aber mit nicht ohne Absicht erdachten Überhöhungen zu tun haben. Das Individuum wird rücksichtslos den Zielen von Göttern und Ideen geopfert, angeblich zu höchster Ehre in der Pflichterfüllung: eine Perversion der Menschenwürde. Sie wird nicht nur angetastet, sondern verhöhnt und vernichtet.

Nicht „Religionsfreiheit“ kann Demokratie definieren, sondern Gedankenfreiheit und freie Meinungsäußerung, die beide durch Religionen und Ideologien eingeschränkt oder gänzlich unterdrückt werden.

Menschenwürde ist eine Errungenschaft des freien Geistes, der sich der Selbstbehauptung wie der gesellschaftlichen Verbundenheit erfreut. An diesen Werten gilt es, aktiv und dauerhaft zu arbeiten und sie zu gestalten.
Und es gilt in einer Zeit rasant expandierender technischen Möglichkeiten, offenes und getarntes Antasten der Menschenwürde zu erspüren und vielleicht zu verhindern.
Man sollte sich jedoch nicht überschätzen: Die regierenden Kräfte dieses fortgesetzten Mittelalters nach der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts missachten die Menschenwürde gerade durch Vortäuschung von Demokratie unvermindert effektiv, für den Durchschnittsbürger dadurch zumeist nicht wahrnehmbar.

Dem aufgeklärten Nonkonformisten ist die Verwirklichung der Menschenwürde ein aufrichtiges Anliegen; hier und jetzt und langfristig. Kosmonomisch avanciert die Menschenwürde zu einem Sinn des Lebens.

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